Wie man Zeit gewinnt

Helen hat wieder einen interessanten Artikel in ihrem Blog. Es geht darum, wie man etwas Zeit zum nachdenken gewinnen kann, wenn der Betreuer eine Frage stellt, über die man erst einmal nachdenken muss. Wie immer ist der Beitrag sehr interessant und unterhaltsam geschrieben und darum will ich das Wesentliche daraus hier kurz wiedergeben. Einige Dinge habe ich angepasst, damit sie zur deutschen Sprache passen.

Helen schreibt, dass jeder in seiner Muttersprache etwa fünf Wörter benutzt, bevor er genau weiß, wie er eigentlich antworten will. Sie glaubt, dass Akademiker und Leute, die eine Fremdsprache lernen dazu neigen zu warten bis sie ihre Antwort beisammen haben, bevor sie anfangen zu sprechen. Wenn der Sprecher schüchtern oder ängstlich ist, wird eine weitere extra Sekunde vergehen, um noch mal alles zu überprüfen, bevor er antwortet. Schüchterne, kluge und gebildete Leute, die eine Fremdsprache sprechen benötigen also etliche Sekunden Bedenkzeit bevor sie eine einfache Frage wie “Sind Katzen bei den Leuten in Deinem Land beliebt?” zu beantworten.

Eine Pause vor dem Antworten könnte den Gesprächspartner denken lassen, dass du dumm, nicht an der Sprache interessiert, betrunken, eingeschlafen oder in irgendeiner Art hypnotischer Trance versunken bist. Helen meint, es wäre vielleicht eine gute Idee, irgendwelche Geräusche von sich zu geben, während man nachdenkt.

Helen liefert auch gleich ein paar Beispiele, die ich in leicht veränderter Form gerne aufgreife:
1) Gib vor, die Frage nicht richtig gehört zu haben: “Sagtest du Katzen oder Ratten?”
2) Wiederhole die Frage mit nachdenklicher Stimme: “Mögen die Leute in Deutschland Katzen?”
3) Sage einfach: “Hm…..”
4) Sage: “Das ist eine sehr interessante Frage! Lass mich kurz darüber nachdenken.”
5) Sage: “Also, ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich würde sagen …”
6) Frage nach einer Verdeutlichung der Frage: “Meinst du, ob sie es mögen, Katzen als Haustiere zu halten?”
7) Gib die Frage an den Fragenden zurück: “Hm, ich bin mir nicht sicher. Wie beliebt sind denn Katzen in deinem Land?”
8) Antworte “Nein!” mit selbstbewusster Stimme. Die Möglichkeit besteht, dass der Fragende das nicht erwartet hat. Leute neigen nämlich dazu ein “Ja” als Antwort auf ihre Frage zu erwarten. Sie werden dann fragen “Warum mögen die Leute in deinem Land keine Katzen?” Dann hast du allerdings vielleicht ein Problem, wie du da wieder herauskommst.
9) Erfinde eine glaubwürdige Lüge. “Katzen wurden vor zwanzig Jahren aus unserem Land verbannt. Wir halten stattdessen Meerschweinchen oder sehr große Hamster als Haustiere.” Das klingt so unwahrscheinlich, dass du sicher sein kannst, dass der Fragende dich mehr dazu fragen wird. Das ist nützlich um eine Frage-Antwort-Situation in einer Prüfung unter Kontrolle zu bringen.
10) Erzähle eine Geschichte über dich oder deine Familie: “Mein Großvater war ein berühmter Katzenzüchter. Einmal verkaufte er eine Katze an Stalins Tante.” Es macht nichts, wenn das nur am Rand mit der gestellten Frage zu tun hat, wenn die Geschichte nur interessant genug ist, um einige Minuten Zeit zu gewinnen. Auch das ist wieder nützlich in Prüfungen.

Wenn das nicht klappt:
11) Gebe dein Desinteresse oder deine Unkenntnis zu und mache weiter: “Ich habe wirklich keinerlei Ahnung davon, befürchte ich. Hast du eine andere Frage, die du mir stattdessen stellen kannst?”

Das funktioniert am besten, wenn der Fragende dich nicht kennt:
12) Äußere eine Meinung: “Katzen? Ich hasse Katzen! Sie haben Flöhe und die Leute geben Geld für sie aus, dass sie für Bedürftige spenden könnten.” Du musst das nicht wirklich glauben, äußere nur etwas, dem die andere Person vermutlich zustimmt und wieder einmal hast du die Kontrolle über das Gespräch für die nächsten Minuten.

Wenn du total verzweifelt bist, kannst du immer Folgendes versuchen:
13) Eine vollkommen unterwartete Gesprächswendung: “Ich weiß nicht viel über Katzen. Mal ganz nebenbei, weißt du, dass mein Land bekannt dafür ist, Käse aus Mäusemilch zu machen? Pavarotti tritt nirgends auf, wenn er nichts davon in seiner Garderobe hat.”

Mit diesen vielen Ideen von Helen sollte eigentlich nichts mehr schief gehen, wenn man unvorbereitet eine Frage gestellt bekommt, denke ich. Ich danke Helen für die vielen Anregungen.

Die Vorlage zu diesem Text findet man in Helens Blog, der auf Englisch geschrieben ist.

 

Text und Audio dieses Beitrages findet man auch in der Sammlung “Veras Corner” in der deutschen Bibliothek von LingQ:
http://www.lingq.com/learn/de/store/lesson/79814

Hier der Link zu Helens Blog-Eintrag:
http://tracesofdodo.blogspot.com/2010/06/what-to-say-when-words-fail-you-part-3.html

 

 

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